Warum Tragen? Und wie?

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Woher kommt das Tragen?

Kommt ein Baby auf die Welt ist es nur durch seine Instinkte gesteuert. Es braucht die Sicherheit der Bezugsperson. Sicherheit, dass die Mama noch da ist. Liegt das Baby im Bett und weint und es wird nicht sofort reagiert hat es Angst – Todesangst – alleine zu sein, und die Mama vermutlich nie wieder zu sehen. Und ja…. irgendwann wird es tatsächlich verstummen, auch instinktgesteuert: Es hat Angst auf „die Falschen“ aufmerksam zu machen und noch mehr Gefahr auszulösen. Und es muss sich seine Kräfte einteilen, um das Überleben zu sichern. Kurz: Wir müssen uns vorstellen, unser Kind lebe in der Steinzeit. Emotional gesehen ist es nämlich genau so. Gerade die Anfangszeit ist entscheidend für Bindung und Entwicklung, deshalb empfehlen wir das Tragen deines Babys von Anfang an.

Die Menschheit gibt es seit über 200.000 Jahren – den Kinderwagen seit nicht einmal 200. Die erste Fabrik für Kinderwagen wurde 1840 in England gegründet. Dort kam erst für den täglichen Spaziergang der Stubenwagen zum Einsatz bevor eben die ersten Kinderwagen auf den Markt gekommen sind. Um sich von der armen Schicht abgrenzen zu können wurde der Kinderwagen erfunden und entwickelt. Und davor: KLAR – die Babys wurden getragen. Erst die industrielle Wohlstandsgesellschaft kam auf die Idee, dass dieses Tragen, Besänftigen und Beruhigen ja auch ein Verwöhnen auslösen könnte. Verwöhnen kommt aber nicht vom Stillen von Grundbedürfnissen!  Man begann, die Babys schreien zu lassen und immer mehr Distanz zu schaffen.  Also haben wir es in nicht einmal 200 Jahren geschafft uns komplett über die Instinkte und Anatomie der Menschheit hinweg zu setzen…

Warum soll ich mein Baby tragen?

Der Mensch ist ein Tragling!

Die Evolution

Es gibt verschiedene Jungentypen in die in der Biologie die Lebewesen eingeteilt werden. Die Nesthocker sind Lebewesen, die völlig auf die Hilfe der Eltern angewiesen sind, und ohne diese nicht überleben könnten. Sie sind blind und können sich nicht fortbewegen (Vögel, Katzen, …) Der Nestflüchter ist direkt nach der Geburt in der Lage auch ohne die Eltern oder die Herde überleben zu könnten, da sie quasi kleine Abbilde der Großen sind, mit offenen Augen und Ohren und Fell (Elefanten, Pferde…)

Seit den 70ern gibt es einen neuen Jungentypus, weil es Lebewesen gibt, die weder Nesthocker noch Nestflüchter sind – Der Tragling. Man unterscheidet hier auch noch aktive und passive Traglinge. Affen sind z.B. klassische aktive Traglinge: Sie krallen sich am Fell der Mutter fest. Känguruhs sind passive Traglinge: Sie schlüpfen nach kurzer Zeit vom Mutterleib in den Bauchsack. Darin werden sie getragen und dort reifen sie fertig. Den Menschen zählt man in der Tat zum aktiven Tragling, da klare Anzeichen und Bewegungsmuster dazu vorhanden sind.

Die Anatomie

Unsere Wirbelsäule und der komplette anatomische Aufbau des Menschen zeigt deutlich, dass wir für den aufrechten Transport geschaffen sind: Babys unterscheiden sich anatomisch von Erwachsenen. Vor allem wenn man sie hoch nimmt, nehmen sie automatisch eine Haltung ein, die für die Reifung perfekt ist. Knorpelige Strukturen wie beispielsweise die Hüftgelenkspfanne, die sich nach der Geburt erst durch Verknöcherung vergrößert, können durch Bewegungsreize optimal reifen und verknöchern. Liegt das Kind im Kinderwagen/ im Bettchen/ in der Wippe werden immer die gleichen Impulse ausgelöst. Die Haltung verändert sich nicht. Durch das Tragen kommen die Reize stets von verschiedenen Richtungen. Die Tiefenmuskulatur des Babys arbeitet und Gewichtsverlagerungen werden ausgeglichen, da sich das Kind in der Tragehilfe/im Tragetuch mitbewegt.

 

Die Wirbelsäule richtet sich in 4 Stufen auf:

Totalkyphose: die zusammengeklappte Haltung im Mutterleib mit Geburt gelöst.
Halslordose: die Aufrichtung der Halswirbelsäule; es kann den Kopf selber halten.
Brustkyphose: Das Baby setzt sich selbst hin. Jetzt darf es sitzen, so lange es will. ACHTUNG! Nicht als Erwachsener das Baby hinsetzen, das hat nichts mit Ausreifung zu tun!
Lendenlordose: das Kind zieht sich an Dingen hoch und kann frei stehen.

Die Bandscheiben zwischen den Wirbeln sind kleine Stoßdämpfer. Diese können aber nur in aufrechter Haltung – nicht im Liegen – funktionieren.
Die vollständige Entwicklung unserer Wirbelsäule ist erst in der Pubertät abgeschlossen.

Beim Tragen werden die Körpersinne (taktil, viszeral, kinästetisch, vistibulär) und Fernsinne (auditiv, gustatorisch, olfaktorisch, taktil, visuell) angesprochen. Natürlich kann ein Kind im Kinderwagen auch die frisch gemähte Wiese oder den Wald riechen, aber nicht zugleich die Mutter. Nebenbei: Ein Kind im Kinderwagen kann erst mit ca. 3 Monaten erkennen,  WER den Kinderwagen schiebt! Auch kann das Kind im Kinderwagen nicht an Mamas Tuch grabscheln und nuckeln. Erschrecken Mutter und Kind, weil z.B. in der Stadt der Notarzt vorbei rauscht, kann sich das Baby an die Mama kuscheln. Diese gibt ihr durch ihre Ruhe Sicherheit – es ist alles in Ordnung.

Wie und Womit kann ich tragen?

Angenehmes Tragen für den Träger

Trägst du das Kind einfach auf dem Arm nimmst du automatisch eine Ausgleichshaltung ein. Dein Körper verspannt. Vermeide das durch die richtige Trageweise oder ideale Tragehilfe

Trageschule Hamburg Wirbelsäule

Angenehmes Tragen für dein Baby

Durch die korrekte Haltung im Tragetuch oder einer guten Tragehilfe trägst du dein Kind anatomisch richtig. Du beeinflusst damit positiv die Entwicklung. Durch die Anhockspreizhaltung wird die Hüftreifung optimiert. Durch deine Bewegung stärkst du den Gleichgewichtssinn deines Kindes. Nicht selten laufen „Traglinge“ schneller als „Schieblinge“

Grundsätzlich ist es egal ob im Tragetuch oder in der Tragehilfe getragen wird.

Wichtig ist:
– Kind und Tragender fühlen sich wohl
– Anhock-Spreiz-Haltung
– gerundeter Rücken bei Neugeborenen
– gute Stütze rundherum

 

Vor allem in der Tragehilfe ist auf eine gute Stützung rundherum zu achten. Außerdem sollte in jedem Fall die Stegbreite eingestellt werden können um das Baby nicht zu überspreizen. Bei zu kleinem Steg hängen die Beine nach unten, das gesamte Gewicht lastet auf den Geschlechtsteilen und der Oberschenkel ist nicht korrekt in der Hüftpfanne (keine ASH)
Beim Tragetuch ist auf die Webung (nur diagonalelastisch) zu achten. Bei richtiger Anwendung sitzt das Tragetuch immer perfekt – und das von Geburt bis zum Ende der Tragezeit.

Bitte nicht nach vorne!

Bitte trage dein Kind immer zum Träger gerichtet. Wird dein Kind vorne mit Blickrichtung nach vorne getragen ist eine Überreizung vorprogrammiert. Dein Kind hat nicht die Möglichkeit, beim Träger Schutz zu suchen. Außerdem ist die Wirbelsäule gestreckt und dein Kind nimmt keine Anhockspreizhaltung mehr ein.